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EVANA Interview mit Captain Paul Watson

'Wir fahren am 5. Dezember in die Antarktis mit der besten Absicht, die Wale vor den kriminellen Aktivitäten der japanischen Walfangflotte zu schuetzen'

26. November 2007

EVANA: Es geht wieder los. Die japanischen Walfänger zeigen erneut ihr bemerkenswertes Talent, die Weltgemeinschaft zu schocken, und diesmal sogar mit erhöhten Zielvorgaben: In diesem Jahr beabsichtigen sie, 1000 Wale abzuschlachten, einschließlich 50 Buckelwale. Das Blutbad soll ausgerechnet im Walschutzgebiet Southern Ocean stattfinden. Gibt es tatsächlich keine legale Grundlage, dies zu stoppen?

Captain Watson: Diese Walfangaktion ist nach dem ‚International Conservation Law’ illegal. Die japanischen Walfänger haben es auf bedrohte Arten im Southern Oceans Walschutzgebiet abgesehen unter Verletzung des weltweiten Walfang-Moratoriums. Die Regierungen der Welt koennten dies stoppen, aber sie weigern sich, es zu tun. Australien könnte den Walfang in den australischen Antarktisgewässern unterbinden. Es schreitet gegen das illegale Fischen des Schwarzen Seehechtes ein, unternimmt aber nichts gegen die japanischen Walfänger. Die USA könnten, gestützt auf Gesetze des Handelsministeriums, Japan mit Wirtschaftssanktionen belegen, jedoch sie schrecken davor zurück.


EVANA: Kennen Sie irgend einen Grund, warum die Japaner Wale und Delfine als ihr Eigentum betrachten und sie willkürlich abschlachten koennen?

Captain Watson: Die Japaner legen eine unglaubliche Arroganz an den Tag und demonstrieren eine imperiale Haltung über die Ressourcen der Meere.


EVANA: Sie haben sicher sehr viel darüber nachgedacht, warum die Japaner Wert darauf zu legen scheinen, von Jahr zu Jahr größeren internationalen Abscheu hervorzurufen. Ihr Massaker auf See bringt keine wirtschaftlichen Vorteile, das Fleisch ist zu stark belastet, um bedenkenlos verzehrt zu werden, und große Teile der Weltgemeinschaft ueberlegen es sich zweimal, ob sie japanische Güter kaufen. Was koennte Ihrer Meinung nach die Motivation sein?

Captain Watson: Sie haben offen zugegeben, dass die Walindustrie keine wirtschaftliche Notwendigkeit sei. Sie haben sogar zugegeben, dass es eine Frage des nationalen Stolzes sei. Sie sagen, dass sie das absolute Recht haben, die Ressourcen in den Weltmeeren auszubeuten und dass keine andere Nation oder Organisation das Recht habe, ihre Aktivitäten in Frage zu stellen.


EVANA: Auf welche Weise werden die Wale aufgespuert?

Captain Watson: Die Japaner jagen jedes Jahr in verschiedenen Gebieten. Dieses Jahr ist es das Gebiet, das im Osten vom Rossmeer begrenzt wird und dann Richtung Westen reicht bis unterhalb von Südafrika. Das Gebiet ist bekannt als Jarpa 4 und 5.


EVANA: Wer fällt die Entscheidungen? Welche Organisationen stehen hinter der Ausführung?

Captain Watson: Die japanische Flotte gehört dem Institute of Cetacean Research, das der japanischen Regierung gehört. Nissui hat im letzten Jahr nach einem erfolgreichen Boykott von Sea Lord (Neuseeland) und Gortans (USA) seine Aktien der Walfangflotte abgestoßen. Diese beiden Gesellschaften gehören Nissui. Sie haben ihre Aktien an der Flotte der japanischen Regierung abgetreten im Tausch gegen Steuererleichterungen. Die Yakusa (die japanische Mafia) kontrolliert die Gewerkschaft, die die Besatzungen der Walfangschiffe vertritt. Sie übt Druck aus, die Aktivitäten der Flotte fortzusetzen, um Arbeitsplätze für Gewerkschaftsmitglieder zu sichern.


EVANA: Es ist offensichtlich, dass Ihre Strategie Überraschungsmomente benötigt, aber können Sie uns etwas dazu sagen, wie Sie die japanischen Walfänger stoppen wollen?

Captain Watson: Unser Ziel ist es, das internationale Schutzrecht gegen den illegalen Walfang der japanischen Fangflotte durchzusetzen. Leider können wir keine taktischen Einzelheiten bekannt geben, aber wir können sagen, dass unsere Taktik körperliche Schäden der Walfänger vermeidet.


EVANA: Trotz aller globalen Proteste, Appelle, Gespräche und Überredungsversuche gehen die Massaker weiter. Einzigartige Tiere, die der Weltgemeinschaft gehören, werden zu Hamburgern verarbeitet, die so voller Gift sind, dass sie in den Sondermüll gehören und nicht auf den Esstisch. Eine lamentierende internationale Gemeinschaft schaut aus sicherer Entfernung zu. Sea Shepherd bleibt der einzige wirkliche Beschützer der Wale. Wie werden Sie mit dieser Verantwortung fertig?

Captain Watson: Es ist schwierig. Greenpeace weigert sich, mit uns zusammenzuarbeiten, aber wir erhalten enorme Unterstützung von der Bevölkerung Australiens. Die Unterstützung für uns in dieser Frage wächst von Jahr zu Jahr. Ich hoffe immer wieder, dass jedes Jahr das letzte dieses Kampfes ist. Dieses ist die vierte Feiertags-Saison, die meine Mannschaft und ich in der Antarktis verbringen, worüber wir uns jedoch nicht beschweren. Es ist eine der schönsten und faszinierendsten Regionen unseres Planeten.


EVANA: Welche Art des Boykotts, wenn überhaupt, halten Sie in dieser Situation fuer angebracht?

Captain Watson: Ich persönlich versuche nach Möglichkeit, alle japanischen Produkte zu boykottieren. Am wirkungsvollsten ist der Boykott japanischer Autos. Die beste Taktik ist die Bestellung eines neuen Autos (besonders mit Hybridantrieb), um dann nach einigen Wochen die Bestellung unter Hinweis auf das Walschlachten wieder rückgängig zu machen. Wenn das oft genug geschieht, wird die Regierung das schon verstehen.


EVANA: Was könnten besorgte Politiker für die Wale tun?

Captain Watson: Die Antwort ist einfach. Die Regierungen der Welt sollten ihre Verantwortung zur Durchsetzung der ‚International Conservation Laws’ wahrnehmen, die sie gemeinsam beschlossen haben. Sie haben diese Gesetze unterzeichnet, und nun müssen sie diese auch durchsetzen.


EVANA: Wie können die vielen Millionen mitfühlender Menschen helfen?

Captain Watson: Jeder Einzelne, der sich für die Wale ausspricht, trägt zu deren Schutz bei. Die japanischen und norwegischen Botschaften sollten permanent von den Leuten hören. Die Leute können schreiben, sie können protestieren, sie können Waren boykottieren und können ihre eigenen Fähigkeiten, ihre Fantasie und Talente fuer den Schutz der Wale einsetzen.


EVANA: Gibt es eine Möglichkeit, die öffentliche Information ueber die Existenzbedrohung der Wale, die Grausamkeit des Walfangs und die Gefahren des giftbelasteten Walfleischs usw. zu verstärken?

Captain Watson: Je mehr Aktionen, je mehr Aufdeckung, je mehr Berichte in den Medien, desto mehr Bewusstsein.


EVANA: Wale gibt es auf der Erde sehr viel länger als Menschen. Jetzt werden sie bis zur Ausrottung gejagt, sie sterben an Nahrungsmangel, sie werden vergiftet, und ihre Lebensräume werden durch zunehmenden Waltourismus ernsthaft geschädigt. Wie lange noch können die Wale den durch Menschen auf sie ausgeübten Druck aushalten?

Captain Watson: Wir leben gegenwärtig in der Mitte einer Periode, die der Paleonthologe Richard Leakey als die sechste Auslöschungsperiode der Weltgeschichte bezeichnet. Es werden mehr Pflanzen- und Tierarten im Zeitraum von 1980 bis 2045 von der Erde verschwinden als im Zeitraum der letzten 65 Millionen Jahre. Wale sind auf der Liste der Tierarten, die durch unsere Ignoranz zur Ausrottung verurteilt werden. Entweder wir kämpfen für ihre Erhaltung oder wir verlieren sie für immer.


EVANA: Und jetzt eine mehr persönliche Frage. Seit vielen Jahren setzen Sie schon Ihr Leben aufs Spiel für Kampagnen, die viele als verlorene Liebesmüh wegen der ausufernden und omnipräsenten Gier des Menschen betrachten mögen. Was treibt Sie an?

Captain Watson: Die einzigen Dinge, für die es sich wirklich lohnt zu kämpfen, sind die hoffnungslosen Dinge. Wir tun, was wir tun, weil es richtig ist. Wir können uns nicht auf Gewinnen oder Verlieren konzentrieren, nur auf das Kämpfen, selbst gegen manchmal unueberwindliche Widerstände. Manchmal ist die einzige Lösung die unmögliche Lösung, und nur die Leidenschaft und Hingabe von überzeugten Aktivisten ueberwindet hoffnungslose Situationen.


EVANA: Der Mensch ist eifrig dabei, seine eigene Lebensgrundlage zu zerstören. Obwohl es heute viel Geschrei und Getue über die ökologischen Bedrohungen gibt, folgt nur wenig konkretes Handeln. Werden wir imstande sein, eine Wende herbeizuführen für unser eigenes Überleben? Und auf welche Weise?

Captain Watson: Entweder wir schaffen eine Umkehr oder der Mensch geht unter. Die Wahl ist eine kollektive Verantwortung des Menschen. Wir könnten auf Grund unserer Ignoranz und unserer Arroganz aussterben.


EVANA: Teilen Sie die Hoffnung, dass wir in nicht zu ferner Zukunft eine Änderung in der Haltung des Menschen gegenüber den Tieren erleben werden?

Captain Watson: Das können wir nur hoffen. Der Veganismus ist eine Bewegung, die von Jahr zu Jahr stärker wird. Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als niemand wusste, was ein Veganer ist.


EVANA: Haben Sie noch irgendwelche Schlussbemerkungen?

Captain Watson: Wir fahren am 5.Dezember in die Antarktis mit der besten Absicht, die Wale vor den kriminellen Aktivitäten der japanischen Walfangflotte zu schuetzen.


EVANA: Captain Watson, wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen viel Erfolg.

_________________________

Sea Shepherd Conservation Society
P.O. Box 2616
Friday Harbor, WA 98250 (USA)
Tel: 360-370-5650 Fax: 360-370-5651

Paul Watson, Krieger der Meere/


Quelle: Sea Shepherd Conservation Society
Autor: Das Interview wurde übersetzt von Harald Schulz, Stuhr, Deutschland

Link: Die Fragen fuer EVANA stellte Herma Caelen - e-mail
Link: Japanische Botschaften - Adressen und e-mail
Link: Paul Watson erklärt japanischer Walfangflotte den Krieg
Link: Paul Watson, Krieger der Meere/Trotz aller Radikalität und Aggressivität der Aktionen der SSCS und Paul Watsons sind dabei bisher weder ein Mensch noch ein Tier zu Schaden gekommen, aber schon unzählige Leben bedrohter Tiere gerettet worden
Link: Protest gegen die Walfangaktivitäten Japans

Date: Do. 29. November 2007

Weitere Artikel zu diesem Thema bei EVANA:
Sea Shepherd: "Keine Zeit für Kompromisse" (de)

Japan gibt den Walfang auf - jedenfalls fuer diese Saison! (de)

'Sea Shepherd' Kapitän Paul Watson: 'Die Japaner handeln kriminell' (de)

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